Russian River

Im Packraft auf Nordkaliforniens Flüssen

„It never rains in California“ – von wegen!

So richtig erinnern kann ich mich nicht mehr daran, dass Mitte April noch Schnee im Bayerischen Voralpenland vom Himmel kam. Genauso neu, im positiven Sinne, ist auch die Erfahrung, bei meinen sporadischen Reisen in die USA viel Nass im sonst so trocknen Kalifornien anzutreffen. Es hat doch tatsächlich in den Tagen und Wochen vor unserer Reise nahezu täglich geregnet. Wir landen am späten Nachmittag in San Francisco und sind erleichtert, als wir nach der langwierigen Einreisekontrolle endlich in unseren Leihwagen steigen. Knapp zwei Stunden und 140 Kilometer später kippen wir schließlich erschöpft in die hohen Bockspringbetten unserer Airbnb-Unterkunft im Norden der recht dörflichen Kleinstadt Monte Rio. Wir sind schon sehr darauf gespannt, was uns die nächsten Tage auf flottem Zahm- bis leichtem Wildwasser in Nordkalifornien erwartet.

Der geht immer: Russian River

Der Jetlag sorgt dafür, dass wir noch in der morgendlichen Dunkelheit alles für unsere erste kurze Tour zusammenpacken. Der unweit unserer Unterkunft gemächlich dahin fließende Russian River steht nicht zuletzt wegen seiner relativ sicheren Wasserführung schon länger auf meiner Liste. Als wir uns an der Ausstiegsstelle in Monte Rio für den Autostop zum Einstieg bereit machen, stellen wir erstaunt fest: so träge fließt der durch häufige Regenfälle kaffeebraun gefärbte Russian River gar nicht. Die Sand- und Kiesbänke am Ausstieg kurz nach der großen Brücke erscheinen dennoch ideal zum Anlanden und sind nicht zu verfehlen. Die Erfahrung, die wir so oft bei unseren Paddeltouren machen, bewahrheitet sich auch hier wieder: beim Autostop abseits der typischen Paddel-Shuttle Wege halten, wenn überhaupt, nur junge Leute. Aber zum Glück werden wir nach kurzer Wartezeit die gut elf Kilometer flussaufwärts zum Einstieg in Rio Nido mitgenommen.

Hochwasserschäden und üppige Tierwelt

Gleich nach dem Einstieg über das recht morastige Ufer paddeln wir vorbei an schönen Landhäusern und sind beeindruckt vom hoch über uns in den Bäumen hängenden Treibgut. Anscheinend war der Wasserstand in den vergangen Tagen noch sehr viel höher. Badestege liegen teilweise herausgerissen und völlig verschlammt neben überspülten Holzplattformen. Wieder mal zeigt sich, dass das Wohnen am Wasser nicht immer nur Vorteile hat. Doch heute scheint die Sonne und es liegt eine ruhige Beschaulichkeit über dem gemütlich dahin strömenden Russian River. Fischadler kreisen hoch über dem Fluss und lauern auf Beute. Ob die sich vor uns auf dem Baumstamm sonnende Schildkröte wohl auch auf ihren Speiseplan stehen?

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Überspülte Einstiege und Stufen erinnern an den ungewöhnlich hohen Pegel des Russian.

Nach ungefähr drei Kilometern erreichen wir „Johnson’s Beach“ in Guerneville. Da Flüsse in Kalifornien nicht so alltäglich sind, hat sich hier eine beachtliche Freizeitinfrastruktur entwickelt. Der breite Sandstrand verwandelt sich jeden Sommer in ein Bade- und Kanuparadies. Als wir daran vorbei fahren ist er jedoch menschenleer. Wir paddeln linksseitig durch die Lücken einer kleinen, mit Bohlen durchsetzten Gefällstufe und sind bald darauf wieder mit uns und dem Fluss allein. Doch irgendwie haben wir das Gefühl, beobachtet zu werden. Ist da jemand? Ein Kopf taucht aus dem Wasser und ein paar schwarze Kulleraugen schauen uns neugierig an. Ist das ein Biber? Nein, es ist eine recht stattliche Robbe, die uns da in Augenschein nimmt. Anscheinend unternehmen die putzigen Säuger gerne Ausflüge in das Landesinnere und schwimmen dafür auch mal rund 20 Kilometer landeinwärts.

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Die Holzbohlen am Johnson’s Beach durchfährt man am Besten einfach.

Auf den weiteren Kilometern flussabwärts paddeln wir durch eine von den mächtigen „Redwoods“ gesäumte Flusslandschaft, die grüner und lebendiger kaum sein könnte. Ab und zu liegen meterhohe Felsblöcke im Fluss und zwingen uns zu kleinen Ausweichmanövern. Der Fluss bleibt dabei aber immer gemütlich und leicht zu meistern. Einem Punkt sollte man bei einer Tour auf dem Russian River aber doch noch beachten. Gerade im windanfälligen Packraft kann der Nachmittags flussaufwärts wehende Wind recht anstrengend werden. Besser also bereits Vormittags starten um am frühen Nachmittag wieder beim Ausstieg an der Brücke in Monte Rio anzukommen.

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Ausstieg auf der Kiesbank nach der Brücke in Monte Rio.

Russian River – Kurz & Kompakt:

  • Datum: 20. April 2017
  • Gepaddelt mit: Packraft
  • Abschnitt: Rio Nido (38.519383, -122.978345) – Brücke in Monte Rio (38.466379, -123.010551)
  • Fahrtdauer: ca. 2 Stunden
  • Zahmwasser bis WWI
  • Gefahren: Gefällstufe mit Bohlen am Jonson’s Beach
  • Schwierigkeiten: Gegen Nachmittag starke Winde vom Meer
  • Pegelstand: 9.4 Feet, Guerneville
  • Aktuelle Pegelinformationen

Fast wie daheim: Gualala River, South Fork

Das man sich an der faszinierenden Küstenlandschaft des nördlichen Highway 1 irgendwann satt gesehen hat, ist eigentlich recht unwahrscheinlich. Wir konnten es trotzdem nicht lassen und haben die Traumstraße bereits 30 Kilometer vor unserem nächsten Ziel verlassen. Hier, an der Annapolis Road, müsste sich laut Google Maps unter einer kleinen Brücke unser nächstes Flüsschen befinden: es hört auf den exotischen Namen Gualala River. Und tatsächlich, direkt unter uns plätschert ein echtes Flussjuwell durch den dichten Wald. Mit seinem türkisgrünen Wasser und den zum Picknik einladenden Kiesbänken erinnert der Gualala an den Oberlauf unseres Hausflusses Isar. Zu schade, dass wir mangels Rückholmöglichkeit in dieser einsamen Gegend den Fluss erst einmal links liegen lassen müssen. Stattdessen geht es weiter zu unserem Hotel in Point Arena.

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Blick auf den Fluss von der Brücke.

Am nächsten Morgen, frisch ausgeschlafen, wollen wir den Guala dennoch paddeln. Wir wollen? Wir müssen, keine Frage! Den Leihwagen parken wir bei der letzten Brücke vor der Mündung des Gulala in den Pazifik.Die Brücke markiert zugleich die Grenze zwischen Mendocino County und Sonoma County. Zum Einstieg auf halber Höhe des Southfork Armes wird gewandert – dank leichten Packrafts zum Glück kein allzu mühsames Unterfangen.  Zuerst geht es rund neun Kilometer auf einer Asphaltstraße durch den Redwood Forest. An einer Kehre geht es dann auf einem Forstweg weiter bis zum Einstieg. Wobei Forststraße eher Privatweg heiße müsste. Fast die gesamte Region, durch die der Gualala River fließt, ist Privatbesitz. Dennoch sollte man sich von den vielen Schildern „Privat property – do not tresspass“ nicht beirren lassen. Auch wenn Gäste eines Campingplatzes am Fluss davor gewarnt haben, dass es durchaus möglich ist, dass bei „Eindringlingen“ von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden könnte.

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Wanderung zum Einstieg

Nachdem die letzten Meter zum Einstieg des meist nahe am Wanderweg verlaufenden Gualala River geschafft sind, paddeln wir auch schon auf seinem klaren Wasser. Die Strömung ist flott, die Wassertiefe selten über Hüfthöhe. Es bleibt eigentlich immer genug Zeit, den manchmal dicht über dem Wasser hängenden Bäumen auszuweichen. Durch die Regenfälle der letzten Wochen sind auch weite Bereiche der Ufervegetation und kleinerer Inseln überspült und müssen umfahren werden. Schöne Kiesbänke laden auf ganzer Strecke zur Rast ein.

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Die schnelle Strömung verlangt ein wachsames Auge auf überspülte Sträucher und Bäume.

Knapp drei Kilometer vor der letzten großen Brücke lässt die Strömung deutlich nach und der Wind, der uns ja schon am Russian River zu schaffen gemacht hat, frischt wieder ordentlich auf. Da diese Tour mit rund sechs Kilometern recht kurz ist, meistern wir die letzten Meter trotz Gegenwind ohne Schwierigkeiten. Viel zu früh steigen wir in einer Rechtskurve nach der Brücke aus unseren Packrafts.

Sollten wir noch einmal die Gelegenheit haben, den Gualala zu paddeln, werden wir in jedem Fall bereits an der Annapolis Road, also mehrere Kilometer oberhalb unseres Einstiegs, beginnen. Alternativ sind frühem Start der Tour auch noch die letzten zwei Kilometer bis zur Mündung in den Pazifik interessant.

Gualala River – Kurz & Kompakt:

  • Datum: 22. April 2017
  • Gepaddelt mit: Packraft
  • Abschnitt: Wanderweg South Fork (38.764605, -123.479287) – Brücke Coast Highway (38.758860, -123.520350)
  • Fahrtdauer: ca. 1,5 Stunden
  • WWI – WWI+
  • Gefahren: Überhängende Bäume und Büsche
  • Schwierigkeiten: Enge Kurven
  • Pegelstand: –
  • Aktuelle Pegelinformationen

Naturslalom durch die kalifornischen Redwoods

Wie gesagt, Regen ist dieser Tage selten in Kalifornien. Deshalb nutzen wird die Gelegenheit um noch einen weiteren Fluss mit moderaten Schwierigkeiten zu erkunden. Dazu folgen wir dem wildromantischen Highway 1 noch ein Stück weiter nach Norden. Traumhafte, in den Fels gegrabene Buchten wechseln sich mit saftig grünen Wiesen ab. Unser Ziel ist den Navarro River. Als wir ihn unter der letzten Brücke vor der Mündung  sehen, präsentiert er sich nicht gerade von seiner besten Seite. Breit und gänzlich ohne Strömung – ob sich das wirklich lohnt? Überzeugt davon, das da noch mehr sein muss, fahren wir einige Kilometer flussauf. Und tatsächlich, der Charakter des Navarro ändert sich. Als schmaler flotter Waldfluss mäandert er nun durch Redwoods-Wälder, vorbei an den beeindruckenden riesige, zumeist kerzengerade wachsende Mammutbäumen mit ihrem rötlichem Holz.

Wir parken das Auto und halten den Daumen raus. Mal wieder „business as usual“ – ein Auto nach dem anderen fährt an uns vorbei. Gerade wollen wir aufgeben, da hält ein alten Kombi an. Eine Band auf dem Rückweg nach San Fransisco zwängt uns in ihren ohnehin bereits überladenen Kombi. Paddler scheinen in dieser Region der Erde eher die Ausnahme zu bilden. Wenn man sich für Autostop entscheidet, sollte man daher einen langen Atem haben. Oft siegt wohl die Neugier, wenn der Fahrer eines vorbeifahrenden Autos sich fragt: Wer ist das wohl mit dem Paddel da am Straßenrand?

Der Fluss verläuft zwar oft unmittelbar an der Bundesstraße entlang, trotzdem zieht uns die Wildnis Nordkaliforniens gleich nach den ersten Paddelschlägen unmittelbar in ihren Bann. Rauschend bahnt sich der Navarro seinen Weg durch dichtes Gestrüpp. Immer wieder gilt es ins Wasser hängenden Ästen oder kleinen Felsblöcken auszuweichen. Kein leichtes Unterfangen bei der doch recht hohen Geschwindigkeit, mit der wir uns bewegen. Immer bestrebt, den Hauptarm in der überfluteten Auenlandschaft zu finden, passieren wir schöne Kiesbuchten. Leider ist es bereits relativ spät, deswegen fahren wir die knapp 7 Kilometer ohne Pausen durch. Unser Ausstieg befindet sich auf einer der wenigen Sandbänke des Flusses. Die zuvor etwas abseits verlaufende Straße kommt hier wieder relativ nah an den Navarro heran und ist auf einem kleinen Waldweg gut erreichbar.

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Start zur Tour auf dem gut gefüllten Russian River

Auf der Autofahrt zurück sehen wir, dass der Fluss fast unmittelbar nach dem von uns gefahrenen Abschnitt ins Zahmwasser übergeht. Typisch für den Mündungsbereich der meisten Nordkaifornischen Flüsse, die in den Pazifik münden. Die Fahrt bis ins Meer scheint auch aufgrund des kanalisierten Charakters nicht sonderlich lohnend.

Abschließend sei gesagt, das neben der nicht immer einfachen PKW-Rückholung in Kalifornien auch das Lebensmittelangebot vergleichsweise klein ausfällt. Die Ortschaften sind klein, oft umfassen sie nur ein paar Häuser. Rasenmäher oder schweres Haushaltsgerät lässt sich dort gut kaufen, wer einen gut sortierten Supermarkt sucht, muss oft kilometerweit fahren. Immerhin dürfen sich mindestens die Fans edler Biere freuen. Die große Auswahl interessanter Craftbiere lässt auch dürstende Packrafter ins Schwärmen geraten.

Navarro River – Kurz & Kompakt:

  • Datum: 24. April 2017
  • Gepaddelt mit: Packraft
  • Abschnitte: Einmündung Mustard Gulch, Bundesstraße CA-128 (39.165334, -123.641847) – Beginn der Mündungsstauzone, Bundesstraße CA-128 (39.178238, -123.693881)
  • Fahrtdauer: ca. 1:20 Stunden
  • WWI bis max. WWII
  • Gefahren: Überspülte Sträucher und überhängende Büsche
  • Schwierigkeiten: Felsen im Fluss
  • AktuellePegelinformationen
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Beeindruckende Fahrt durch den Canyon der Ardeche

Sommerabschied auf Ardeche und Chassezac

Ende September, die Tage in Deutschland werden kürzer. Was liegt näher als noch einmal vor der Winterpause kurz in die Ferne zu fahren und ein letztes Mal unserer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. In Frankreich waren wir das letzte Mal vor über zehn Jahren. Gesagt getan, kurzfristig buchen wir deshalb einen Flug und eine günstige Unterkunft in Saint-Marcel-d’Ardèche. Den Urlaub planen wir, wie so oft, zu einem Termin, an dem es hier in München anstrengend ist: es sind mal wieder Wiesnwochen, als wir mit unseren zwei Packrafts den kurzen Flug nach Lyon antreten. Gute zwei Stunden nach der Landung treffen wir mit unserem Leihwagen in Saint-Marcel-d’Ardèche ein. Unsere Airbnb Gastgeber empfangen uns freundlich, servieren Früchten aus der Region, stellen uns zwei Fahrräder zur Verfügung und versorgen uns mit guten Paddel-Tipps aus der Umgebung – ein echter Vorteil, das unser Gastgeber ebenfalls Paddler ist.

Sightseeing zum Auftakt

Am ersten Tag unserer Reise möchten wir die Schlucht von oben kennenlernen. Also fahren wir die gesamte Ardeche-Schlucht flußaufwärts mit dem Auto ab und sehen uns verschiedene Ein- und Ausstiegsstellen an. Die rund 30 Kilometer vom Pont  d’Arc bis zum Wehr nach Saint-Martin-d’Ardèche scheinen uns für die relativ langsamen Packrafts etwas zu gewagt. Wir planen deshalb für den nächsten Tag unser Mietauto in Saint-Martin abzustellen, per Anhalter zum Campingplatz „Bivouac Du Gournier“ zu trampen und dort den unteren Abschnitt der Schlucht zu befahren. Nachdem wir auf dem Rückweg noch eines der vorzüglichen Restaurants der Region getestet haben, machen wir einen Abstecher zu einem weiteren Fluss: Die Cezé fließt ebenfalls durch die reizvolle Ardèche-Region, hat jedoch leider zu wenig Wasser für eine Befahrung. Das schmälert jedoch die Vorfreude auf den nächsten Tag nur wenig.

 

Herausforderung Autostop

Pünktlich um 9:00 Uhr stehen wir am nächsten Morgen am Ortsende von Saint-Martin-d’Ardèche und halten an der Landstraße Richtung Pont d’ Arc unsere Daumen heraus. Doch was ist los? Wo bleiben die sonst so zahlreichen Mitfahrgelegenheiten? Nur etwa alle 5 Minuten nähert sich ein Auto, das jedoch meist mit Touristen gefüllt ist, die schulterzuckend an uns vorbeirumpeln. Gut 45 Minuten später hat immer noch niemand angehalten. Wir brechen die Aktion ab und beschließen, auf dem Wanderweg durch die Schlucht Richtung Einstiegsstelle zu laufen. Kurz bevor wir in den Wanderweg einbiegen, entdecken wir ein deutsches Wohnmobil auf einem Campingplatz. Es setzt gerade zur Abfahrt an. Beherzt bringen wir dem Fahrer unser Anliegen nahe und siehe da: Wir werden mitgenommen. Die Fahrt verläuft kurzweilig und das junge Pärchen setzt uns wie gewünscht am Einstiegsort oberhalb des „Bivouac Du Gournier“ ab. Anschließend steigen wir mit unseren Packrafts die knapp 300 Höhenmeter zum Flussufer hinab. Wir setzen in die Ardèche ein und starten ins Abenteuer. Vor eindrucksvoller Kulisse wechseln ruhige Abschnitte immer wieder mit kurzen Schwallstrecken, die auch ohne Spritzdecke leicht beherrschbar bleiben. Wie mag es hier wohl während der Ferienzeit zugehen? Angeblich sollen sich in den Monaten Juli und August täglich bis zu 2.500 Boote durch die Schlucht bewegen. Ende September spüren wir von diesem Trubel nicht mehr viel. Nur ein paar Leihkanus mit vornehmlich deutschen und englischen Touristen paddeln mit uns Richtung Saint-Martin-d’Ardèche. Wir passieren die eindrucksvolle Felsformation “la Catedrale” und finden viele schöne Bade- und Picknikstellen. Flussbaden ist selbst jetzt im Herbst bei rund 20 Grad Wassertemperatur noch ein angenehmes Vergnügen, danach schmecken Baguette und Käse nochmal so gut.

Einstieg am Bivouac Du Gournier
Einstiegsstelle zum 1. Abschnitt der Tour: Bivouac Du Gournier

Rund drei Stunden später und wenige Kilometer vor dem Ende der Tour wird es anstrengend: aus dem Rhônetal bläst uns beständig Wind entgegen und der Rückstau des in Saint-Martin gelegenen Wehrs wird spürbar. Wir motivieren uns mit dem Gedanken an den anstehenden Grillabend und meistern tapfer auch noch die längste Zahmwasserstelle der unteren Ardèche. Kurz nach dem Ausstieg der Kanuverleiher am Kiesstrand “Sauze” legen wir links an einem Felsvorsprung an und erfrischen uns ein letztes Mal im Fluss.

 

Spritziger Paddelspaß unter dem Wahrzeichen der Ardeche

Nachdem wir am Vorabend noch lange über die Eindrücke im unteren Abschnitte der Schucht siniert haben, beschließen wir am nächsten Tag, das obere Stück der Ardèche in Angriff zu nehmen. Diesmal fahren wir zum Aussichtspunkt oberhalb des „Bivouac Du Gournier“. Statt Autostop sprechen wir kurzerhand Touristen auf dem Weg zum Aussichtsbalkon an. Obwohl heute nochmals weniger Autos die kurvige Straße passieren, haben wir Glück. Ein junges französisches Pärchen nimmt uns mit, nachdem wir ihnen mit Händen und Füßen unser Anliegen erklärt haben. Die Fahrt verläuft kurzweilig und kurze Zeit später steigen wir unterhalb des mächtigen Steinbogens Pont d’Arc in unsere Packrafts.

Das Wahrzeichen der Ardeche-Schlucht
Der große Felsbogen Pont D’Arc

Bevor wir durch das Wahrzeichen dieser Region fahren, amüsieren wir uns noch ein bisschen über die aus Vallon Pont Arc eintreffenden Leihboote. Ein nicht unerheblicher Teil der Besatzung scheint wohl noch nie davor in einem Kajak gesessen zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie an der unteren Schlüsselstelle „Le Charlemagne“ bei diesem niedrigen Wasserstand überhaupt kentern können. Kurz darauf durchfahren auch wir den beeindruckenden Gesteinsbogen und schießen Fotos und Videoaufnahmen aus allen erdenklichen Perspektiven. Unterhalb des Steinbogens befindet sich auf der linken Seite sogar eine kleine Grotte, in die man vom Fluss aus ein paar Meter einfahren kann. Kaum vorstellbar, das die Ardèche früher um den mächtigen Fels herumgeflossen ist und sich der Bogen über Jahrtausende aus einem unterirdischen Bach heraus bildete. Leider verliere ich unter all den imposanten Eindrücken meine Sonnenbrille und muss die Fahrt nun bei bestem Sonnenschein leicht geblendet fortsetzen.

Unmittelbar nach Pont ‘d Arc passieren wir die zahlreichen Kanu-Verleihstationen. Um diese Uhrzeit, es ist bereits 14:00 Uhr, ist setzen hier jedoch keine Boote mehr ein. Aufgrund des fixen Rücktransports der Verleiher – die Boote müssen bis spätestens 16:30 Uhr wieder in Sauze sein – sind die Paddler weit vor uns. Wieder mal ein unschlagbarer Vorteil unserer Rucksackboote und der damit verbundenen Unabhängigkeit. Die ersten vier bis fünf Kilometer windet sich der Fluss in schier endlosen Schleifen nach links und rechts, liegt mal im Schatten, mal im Sonnenschein. Immer wieder passieren wir kurz nach oder in den Biegungen kleine Schwälle und Abfälle, die die dazwischenliegenden Zahmwasserstücke auflockern. Insgesamt gefällt mir der obere Abschnitt deutlich besser, da man hier auch mal die ein oder andere Spiel- und Surfstelle findet. Und es geht doch ein bisschen flotter als im unteren Abschnitt voran.

Beeindruckende Fahrt durch den Canyon der Ardeche
Hinter jeder Flussbiegung erwarten den Paddler neue, faszinierende Eindrücke

Wieder erwarten uns schöne Picknickstrände und Badestellen, von der Nachmittagssonne geküsst. Nach etwa zwei Drittel der Strecke kommt in einer Rechtskurve sogar richtiges Wildwasserfeeling auf. Ich beschließe, mich ein bisschen im Packraftsurfen zu versuchen. Meinen Leichtsinn bezahle ich doch prompt mit einer Kenterung. Zum Glück ist nichts passiert, das Wasser ist auch ohne Neoprenanzug noch angenehm warm und gutmütig. Nach knapp drei Stunden erreichen wir den am Fluss gelegen und um diese Jahreszeit bereits geschlossenen Biwackplatz „Bivouac De Gaud“.  Hier tanken wir am schönen Sandstrand noch ein bisschen Energie für die restliche Strecke. Man kann diesen Bereich des Flusses scheinbar auch erwandern. Denn auf der anderen Flußseite sehen wir einige Wanderer durch das Dickicht steigen.

Wir wollen nicht zu spät den Ausstieg beim „Bivouac Du Gournier“ erreichen. Deshalb setzen wir unsere Fahrt fort und treffen eine weitere Stunde später wieder dort ein, wo wir gestern das erste Mal in den Fluss gestiegen sind. Die tief stehende Sonne erreicht das Flussbett bereits nicht mehr, als wir unsere Ausrüstung zusammenpacken und uns auf den beschwerlichen Weg nach oben Richtung Straße machen. Es geht hier circa 800 Meter durch den Wald steil nach oben. Zum Glück ist der Weg mit Waschbeton ausgegossen, so dass wir zumindest nicht wegrutschen oder den Halt verlieren können. Oben angekommen geht es noch einige hundert Meter an der Straße entlang, bis wir erleichtert und recht erschöpft an unserem Auto ankommen. Abschließend betrachtet war es eine gute Idee, die rund 30 Kilometer Schluchtstrecke in zwei Etappen zu fahren. Zumindest mit den doch recht langsamen und windanfälligen Packrafts wäre die komplette Strecke eher in eine Strapaze ausgeartet.

 

Kleine, aber feine Chassezac-Schlucht

Da die der Ardèche nahe gelegene Cezé ebenfalls zu wenig Wasser hatte, fuhren wir am nächsten Tag mit Wanderabsichten den Chassezac an. Umso überraschter waren wir, als der Fluss unterhalb der Schlucht bei Chandolas auf ganzer Breite fahrbar erschien. Ich überlegte nicht lange und setzte kurzerhand beim Kanuverleih in der Nähe von Vompdes oberhalb der ca. 6 Kilometer langen Schlucht ein. Deutlich dunkler, jedoch ebenso träge wie die Ardèche, fließt der Chassezac den ersten Kilometer dem Schluchteingang entgegen. Zwei kurze Gefällstrecken bis max WW1+ muntern die Paddelei etwas auf. Die beiden, mit mir gestarteten Boote, bringen sie sogar zum Kentern. Ich biete meine Hilfe an, den nicht gerade leichten Kunststoffzweier mit umzudrehen. Allerdings lehnen die recht stolzen französischen Paddelnovizen dankend ab. Bald kündigen die ersten Felswände den Beginn der Schlucht an. Der Fluss windet sich davor noch einmal kurz nach links und strömt terassenartig über einige Felsplatten nach unten. Das Stück kann links befahren werden und stellt zumindest mit meinem kurzen Packraft bei diesem Wasserstand kein Problem dar.

Eingangsstufen der Schlucht
Eingang der Schlucht: Die Stufen konnten bei dem niedrigen Wasserstand gerade noch auf der linken Flusseite befahren werden.

Die Schlucht selbst ist ebenfalls einfach zu befahren. Bei höheren Pegelständen sollte man sich jedoch von den manchmal leicht unterspülten Felsen fernhalten. Die Wände des Canyons ragen oft an die hundert Meter über das Flussbett hinaus und erinnern daran, dass man ein Auge auf möglichen Steinschlag haben sollte. Auch für Kletterer scheint dieser Abschnitt des Chassezac interressant zu sein. Jedenfalls sehe ich eine grössere Gruppe ambitioniert in luftiger Höhe in der Wand hängen. Nach insgesamt knapp einer Stunde in der Schlucht folgen auf eine Linkskurve mehrere große Felsen im Fluss. Ich lande auf einem geeigneten Exemplar dieser Findlinge an und halte die beeindruckende Szenerie auf Fotos fest. Dann geht es weiter. Das Tal weitet sich und es tauchen Badegäste am Flußufer auf. Nur wenige hundert Meter danach kommt mein Ausstiegspunkt, die Brücke am Campingplatz „Mazet Plage“ in Sicht. Ich lege mich noch ein bisschen auf die geschliffenen Steinplatten am linken Flussufer um die Sonne zu genießen. Dabei nehme ich mir fest vor, beim nächsten Besuch in diesem Paddelparadies das Folgestück auf dem geheimnisvollen Chassezac bis zur Brücke bei Chandolas zu paddeln.

 

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 27 – 29. September 2016
  • Gepaddelt mit: Packraft
  • Abschnitte Ardeche: Bivouac Du Gournier bei km. 98,0 (44.340664, 4.466489) – Saint-Martin-d’Ardèche bei km. 111,0 (44.305410, 4.557132) sowie Vallon Pont D’Arc bei km. 81,6 (44.381660, 4.414180) – Bivouac Du Gournier bei km. 98,0 (44.340664, 4.466489)
  • Abschnitt Chassezac: Kanuverleih „Compagnie de Canoë du Chassez“ bei km. 55,7 (44.414032, 4.162591) – Brücke vor dem Campingplatz „Mazet Plage“ bei km. 59,9 (44.396353, 4.198174)
  • Fahrtdauer: ca. 3 Stunden, Chassezac-Schlucht ca. 1 Stunde
  • WWI bis max. WWII (Zahmwasser auf den letzten 2 Kilometern vor Saint-Martin)
  • Gefahren: Keine, unterspülte Felsen in der Chassezac Schlucht, Steinschlag
  • Schwierigkeiten: Felsen im Fluss
  • Pegelstand: 50 cm, Vallon Pont D’Arc
  • Aktuelle Pegelinformationen

Goldene Feierabendrunde auf der Brenz

Der große Vorteil eines Regionalzugs ist…

… dass er in jedem noch so kleinen Ort hält. Genau diese sonst etwas unschöne Eigenschaft meines Feierabendzuges möchte ich mir an diesem sonnigen Junitag zu Nutze machen. Also Packraft, Paddel, Sonnencreme und minimale Büroausrüstung in den wasserdichten Packsack gesteckt und los gehts.

Unmittelbar neben dem Bahnhof in Giengen fließt die Brenz in einem betonierten Korsett. Ich entscheide mich deshalb für den Einstieg etwa 150 Meter flussabwärts an einem kleinen Weg mit direktem Zugang zum Fluss. Die Brenz fließt hier mit der zügigen Strömung eines Kleinflusses durch ein schöne Baumallee.

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Einstieg auf der linken Seite kurz nach der Brücke

Im schwäbischen Dschungel

Am Ortsende von Giengen wird das Flussidyll leider durch eingeleitete Abwässer getrübt. Das direkt am Fluß gelegene Filzwerk leitet hier unüberseh- und überriechbar Spülwasser ein. Irgendwie erinnert mich der Geruch an die Waschtage während meiner Kindheit – nur das ich ihn damals mit Reinheit verbunden habe. Hier ist eher das Gegenteil der Fall. Egal, ich folge der Werkumfahrung und biege nach links ab. Kurz darauf ist die Brenz wieder ganz die alte. Viel Grün umgibt mich und hin und wieder schwimmt ein Bisam vorbei.

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Ruhig fließt die Brenz zwischen Bäumen dahin

Der weiße Hüter des Wehres

Als die große Wehranlage am Ortseingang von Hermaringen auftaucht, beschließe ich mich auf der rechten Seite der Wehrkrone anzunähern und dort wenn möglich zu umtragen. Leider habe ich das Teritorialverhalten des recht stattlichen Schwanes auf der Insel in der Flussmitte unterschätzt. In bedrohlicher Haltung schwimmt er konsequent auf mich zu und lässt mich nicht passieren. An Aussteigen ist nicht zu denken, die Betonwände sind zu steil. Ins Wasser möchte ich auch ungern fallen, denn die  Unterströmung ist recht stark . Also, Mut gefasst und stets abwehrbereit zurück gepaddelt dann das Wehr links umtragen.

Nach einigen Metern setze ich über eine Fischtreppe wieder ein und stehe kurz darauf am nächsten Wehr. Diesmal juckt mich die Abenteuerlust. Auf diesem zahmen Gewässer doch mal etwas Wasser über den Süllrand zu bekommen – das müsste doch zu machen sein. Gesagt, getan. Ich setze unmittelbar vor der zweiten Wehrkante ein und rutsche über die glatte Rutsche nach unten – zum Glück war kein rostiger Nagel im Weg.

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Ablauf des Wehres in Hermaringen

Großes Finale

Nach der spritzigen Rutschpartie trennt mich nur noch ein kurzes Stück vom Ausstieg in Bergenweiler. Das jedoch geizt nicht gerade mit seinen Reizen. Die Brenz verwandelt sich hier in einen ruhig dahingleitenden Wiesenfluss mit großem Vogelreichtum.

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Renaturierte Bereiche kurz vor Bergenweiler

Aufgepasst beim Ausstieg

Der geplante Ausstieg in Bergenweiler befindet sich laut Paddelführer direkt beim Bahnhof. Bahnhof? Naja, sieht eher aus wie eine Bedarfshaltestelle und ist vom Fluss durch meterdicke Brennesselhecken getrennt. Zum Glück zweigt ein Arm der Brenz direkt nach der Haltestelle rechts ab und ich steige an einer kleinen gepflegten Wiese aus. Erst nach einiger Zeit merke ich, dass mein Ausstieg sich auf Privatgrund, sprich einem Garten befindet. Jetzt schnell umziehen und zusammenpacken, in wenigen Minuten kommt der nächste Bummelzug nach Ulm.

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Ausstieg kurz nach dem Bahnhof Bergenweiler im rechten Arm der Brenz

 

 

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 07. Juni 2016
  • Gepaddelt mit: Packraft
  • Abschnitte: Giengen, kurz nach dem Bahnhof bei km. 22,5 (48.618958, 10.243549) – Bergenweiler, Seitenarm unterhalb des Bahnhofs bei km. 16,0 (48.575577, 10.272732)
  • Fahrtdauer: ca. 2 Stunden
  • Zahmwasser bis max. WWI (WWI+ nach dem Wehr in Hermaringen)
  • Gefahren: Streitlustiger Schwan beim Wehr am Ortsanfang von Hermaringen
  • Schwierigkeiten: Wehre, niedrige Brücken
  • Pegelstand: 89,00 cm, Bächingen
  • Aktuelle Pegelinformationen

 

Paddelpause auf einer Kiesbank

Packrafting auf der Magra

Italientour mit Hindernissen

Das romantische Ligurien geizt nicht gerade mit Reizen. Hier soll es das beste Foccacia und die schönsten Bergdörfer geben. Das Cinque Terre lockt mit wildromantischen Orten und zerklüfteter Küstenlandschaft.  Ziel für unzählige Touristen aus allen Herren Ländern. Die spritzigen Flüsse dieser Region Italiens mit Schwierigkeitsgrad max. III sind allerdings ein Geheimtipp.

Wir wollten bereits Mitte März zu Magra und Vara aufbrechen, die Reise haben wir jedoch aufgrund widrigen Wetters auf Anfang April verschoben. Das Auto ist bereits gepackt, die Boote verstaut, da packt mich die heimtückisch Frühjahrsgrippe . Also wieder warten und bangen. Einen Tag später als geplant brechen wir dann endlich über den Brennerpass Richtung La Spezia auf. Vignetten, Brenner- und Autobahnmaut zehren ordentlich an der Reisekasse. Zeit müssen wir trotzdem Mitbringen: Grenzkontrollen, Baustellen und Tempolimits entlarven die ursprünglich angegebenen sieben Stunden als Algorithmus-Fantasterei unseres Navis. Der Plan ist eigentlich, auf der Hinfahrt noch den südlich aus dem Gardasee fließenden Mincio zu paddeln. Da wir aber erst am Nachmittag in Valeccio sul Mincio ankommen, entscheiden wir uns gegen eine Paddeltour und für italienisches Essen. In der Top-Nudelmanufaktur der Region schlemmen wir himmlische „Tortelloni di Zucca“, mit Kürbismus gefüllte Nudeln mit Suchtpotential.

Schon vor unserer Ankunft in Sarzana heißt uns die Magra willkommen, liefert sich mit der Autobahn ein Wettrennen. Der Wasserstand ist niedriger als gedacht und stimmt uns skeptisch. Sind wir doch schon zu spät dran, um einen fahrbaren Pegelstand anzutreffen?

 

Winnetoufeeling pur – von Aulla bis Sarzana

Zur Einstiegsstelle in Aulla gelangt man zwar mit dem Bus, wir haben jedoch noch mehr Glück: Unserer Airbnb-Gastgeberin fährt uns die 22,5 Kilometer flussaufwärts bis nach Aulla. Um zur Einstiegsstelle zu kommen, müssen wir uns durch einen Bauzaun zwängen und über eine Baustelle schleichen. Bei Sonnenschein und 17 Grad setzen wir schließlich an der Mündung der Aullela in die Magra ein.

Magra Einstiegsstelle
Am Einstieg in Aulla

Das klare Wasser und die hügelige Umgebung erinnern an einen unser Lieblingsflüsse, die Ammer. Dank der idyllische Kalkschlucht bei Kilometer 42 nehmen wir den Lärm der recht nah verlaufende Bundesstraße nur gedämpft wahr. Der Schwierigkeitsgrad ist unproblematisch: auf spritzige Kiesbankschwälle folgen stets ruhige Abschnitte mit gemütlicher Strömung.

Magra Kiesbank
Schöne Kiesbänke und sanfte Strömung laden zum Verweilen ein

Der Wasserstand reicht gerade aus, um ohne Grundberührung über die breiteren Stellen der Magra zu gelangen. Immer wieder erschweren Autobahnbrückenschwälle die Weiterfahrt. Mächtige Brückenpfeiler stehen oft mitten im Fluss. Bei höherem Wasserstand ist hier Vorsicht geboten. Respekt vor der Magra ist auf jeden Fall angebracht, daran erinnert uns das oft hoch in der Schlucht gesammelte Schwemmholz. Vieles davon stammt vom verheerenden Hochwasser der Magra 2011, bei dem das Städchen Aulla von einer Schlammwelle überrollt wurde. Doch selbst das aktuellen Niedrigwasser ist für unsere Luftboote nicht ohne Gefahr. Immer wieder ragen Eisenteile aus der Wasserobfläche und wollen umfahren werden. Manchmal sind sie auch knapp überspült und nur schwer zu erkennen. Am Ende der Paddeltour bin ich froh, dass neben ein paar Kratzern in der Bootshaut die große Materialschlacht ausgeblieben ist. Apropos Müll: in der Magra entsorgen die Italiener nicht nur den üblichen Hausmüll. Unter einer Brücke passieren wir ein komplettes Autowrack. Anscheindend wurde hier ein Fahrzeug von der Brücke in den Fluss gestoßen!

Autowrack im Fluss
Selbst Autowracks finden wir im Fluss

Nach knapp 10 Kilometern, unterhalb Bettola, ändert sich der Flusscharakter merklich. Das Kiesbett wird breiter, die Strömung schwächer. Wir fahren in den Naturpark Montemarcello-Magra bei Santo Stefano di Magra ein. Hier stehen Reiher und Kormorane im knöcheltiefen Wasser und streiten mit den Seemöwen um Beute.

Wehr Bettola
Ab der Gefällbremse bei Bettola verbreitert sich die Magra und spaltet sich manchmal im Kiesbett auf

 

Viel Wind und wenig Strömung

Ohne die Möwen könnte das hier auch die vertraute Isar sein. Das heißt, bis auf die doch schon etwas zu gemütliche Fließgeschwindigkeit dieses Abschnitts. Dazu kommt ein immer stärker auffrischender Gegenwind. Ich kämpfe mich mühsam Meter um Meter voran und ich frage mich langsam, ob es nicht bessere wäre, dass Boot zusammenzupacken und die restliche Strecke zu Fuß der Ausstiegsstelle entgegen zu wandern.

Magra Rueckstau
Gaaanz zahmes Zahmwasser!

Was soll’s, das Leben gleicht schließlich auch nicht immer einem spritzigen Fluss. Wir paddeln weiter, bis uns irgendwann doch die Kräfte verlassen. Höchste Zeit, Energie zu tanken. Für unser Picknick suchen wir eine schönen Kiesbank, wo Magra und Vara zusammenfließen. Hoch über uns thront das Örtchen Vezzano Ligure majestätisch auf der Spitze eines Hügels. Beim Blick nach oben frage ich mich, wie all diese mittelalterlichen Bergdörfchen in den Bergen wohl gebaut wurden. War sicherlich ein ordentliches Stück Arbeit und mit unsereren Tourstrapazen nicht zu vergleichen, also weiter geht’s!

 

Eine kleine Stadtwanderung zum Schluss

Unterhalb der zufließenden Vara wird die Magra auch bei Niedrigwasser gut fahrbar. Leider spüren wir den Rückstau der einige Kilometer entfernten Mündung deutlich und der Fluß ähnelt abschnittsweise eher einem See als einem Fließgewässer. Die Ufer sind sandig und erinnern schon irgendwie an die Strände der wenige Kilometer entfernte Küste. Der Wind frischt auf, so stark, das wir ohne Paddelunterstützung flussaufwärts treiben. Trotzdem erreichen wir eine gute Stunde später unseren Ausstieg linksufrig an der Eisenbahnbrücke bei Sarzana. Wie zuvor recherchiert, ist unsere Unterkunft von hier relativ gut zu Fuß erreichbar. Müde aber glücklich verstauen wir Packraft und Luftboot auf unseren Rücken und laufen die gut zwei Kilometer zurück in das kleine Städtchen – wo bereits die beste Pizza Liguriens auf uns wartet.

DCIM101GOPRO
Vom Ausstieg ist Sarzanza  nur einen Katzensprung entfernt

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 16. April 2016
  • Gepaddelt mit: Packraft und Schlauchkajak
  • Abschnitte: Aulla, Mündung der Aullela km. 40 (44.205952, 9.967128) – Eisenbahnbrücke bei Sarzana-Romito km. 62,5 (44.108190, 9.938569)
  • Fahrtdauer: ca. 5 Stunden
  • WWI bis max. WWII-
  • Gefahren: Brückenpfeiler im Strömungszug, Schrott- und Metallteile im Fluß
  • Schwierigkeiten: Treidelstellen, Gegenwind
Oberlauf Rio Salado Paddeln

Geburtstagspaddeln auf dem Rio Salado in Andalusien

Die kleine Winterflucht zum 45ten

Bereits seit einigen Jahren fliehe ich regelmäßig zu meinem Geburtstage gegen Ende Januar vor dem meist ungemütlichen Wetter Deutschlands. Normalerweise zieht es mich dabei mit SUP oder Bodyboard auf die Kanarischen Inseln. Diesmal fällt die Wahl jedoch mal auf Südspanien beziehungsweise genauer Andalusien. Dabei sind diesmal neben meiner besseren Hälfte Pamela auch zwei reisetauglichen Gumotex Schlauchkajaks. Mit dem Packraft würden zwar einige Kilo weniger auf meinen Schultern lasten, jedoch will ich mir Chance auf einen Brandungssurf nicht nehmen lassen. Also kommt das selbstlenzende und recht steife Safari mit auf die Reise. Direkt nach unserer Ankunft in Malaga geht’s per Leihwagen in das rund 240 Kilometer entfernte und unmittelbar am Atlantik gelegene Hotel unweit von Cadiz.

Endlose Sumpflandschaften und eigentlich gar nicht vorhandene Flüsse

Der bereits vor der Reise geschmiedeter Plan zielte eigentlich auf die Erkundung der riesigen Sumpflandschaft vor Chiclana de la Frontera ab. Diese sogenannten Marismas sind große Mündungsgebiete welche gezeitenabhängig von unzähligen Kanälen durchzogen werden. Leider ist die Orientierung zu Wasser recht schwierig, da das umgebende Grasland den sichtbaren Horizont auf wenige Meter beschränkt. Der Wasserstand sieht ebenfalls nicht gerade nach unterbrechungsfreier Fahrt aus. Um es kurz zu machen – wir wollen erst einmal sehen ob es einen paddelbaren Fluss in diesem Teil Andalusiens gibt.

Marisma in Andalusien
Vogelreichtum und Salzquelle – Marisma in der Nähe von Chiclana de la Frontera.

Auf Ernüchterung folgt stets die Überraschung

Der Süden Spaniens ist auch im Januar eher spärlich mit Niederschlag gesegnet. Bei meiner Google-Maps Recherche habe ich mir deshalb den relativ großen Rio Barbate, etwas weiter südlich von Novo Sancti Petri, herausgepickt. Doch auch hier hält sich die Paddellust in Grenzen: Kanalisiert und mit stark verunreinigten Ufern schiebt sich der Rio Barbate träge in eine wenig einladende Meeresbucht. Wir verlassen den eher tristen Ort, der auch Barbate heißt, und sehen noch einmal an der Straßenbrücke „La Barca“ bei La Barca de Vejer auf den jungen Fluss. Recht verwachsen und abenteuerlich sollte paddeln hier möglich sein. Trotzdem lassen wir den Barbate links liegen und fahren auf dem Rückweg noch einmal an den Strand von Conil de la Frontera. Dort überrascht uns der in den Atlantik mündende Rio Salado. Mit seinen grün bewachsenen Ufern sieht er richtig einladend aus. Der Entschluss ist schnell gefasst: morgen, an meinem Geburtstag, werden wir diesen Wasserlauf erkunden!

Rio Salado in Andalusien Einstieg
Einstieg kurz vor der Mündung in Conil

Fliegende Fische im Boot

Gesagt, getan! Am nächsten Tag steigen wir bei einsetzender Flut in Conil in unsere Kajaks und paddeln flussaufwärts den Rio Salado hinauf. Im trüben Wasser des Flusses können wir die vielen großen Fische, die vor, neben und hinter uns knapp unter der Oberfläche durchs Wasser huschen, nur erahnen – ein bischen gruselig ist das schon. Was solls, wir folgen den immer schmaler werdenden Wasserlauf nach oben. Die durch die Flut bedingte Strömung nimmt dabei zwar ab, ist aber selbst nach einigen Kilometern noch deutlich zu spüren. Nach knapp einer Stunde paddeln misst der ursprünglich 20 Meter breite Fluss nur noch knapp 2 Meter, wird dabei jedoch immer klarer. Ungefähr 150 Meter vor unserer geplanten Wendestelle verschwindet der Rio Salado dann plötzlich im lehmigen Boden. Nach kurzer Rast an einer der wenigen halbwegs trockenen Uferstellen paddeln wir anschließend wieder zurück nach Conil. Kurz vor der Mündung wieder das gleiche Schauspiel: Springende Fische überall. Doch diesmal kommt es noch dreister: als ich gemütlich über das Wasser treibe und an nichts böses denke, springt mir auf einmal so ein glitschiger Geselle in mein Boot und nach 2-3 heftigen Sprüngen wieder zurück in sein Element. Mist, genau jetzt war die Kamera mal wieder nicht griffbereit.

Oberlauf Rio Salado Paddeln
Wenige Kilometer oberhalb der Mündung ist der Fluss nur noch einige Meter breit…
Kajaktour Rio Salado
…um schließlich ganz im Boden zu verschwinden.

Flussaufwärts in die Mündung paddeln?

Je näher wir unserer Ausstiegsstelle an der Mündung kommen, desto stärker wird der Einfluss der immer noch steigenden Flut. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl einen Fluss gegen die Strömung in den Mündungsbereich zu paddeln. Leider reicht der Wasserstand noch nicht aus, um direkt bis in den Atlantik zu fahren. Also beenden wir unsere schöne Tour auf den letzten Metern des Rio Salado an einer Sandbank. Die Ausstiegsstelle ist geradezu perfekt geeignet: neben Parkplätzen findet sich hier auch eine Süßwasserdusche und eine einladende Holzterrasse.

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 27. Januar 2016
  • Gepaddelt mit: Schlauchkajak (Gumotex Baraka & Twist)
  • Abschnitte: Conil de la Frontera, Mündung (36.271053, -6.087239) – Kurz vor Brücke der N340 (36.283729, -6.055780) und wieder zurück (ca. 8 Km).
  • Fahrtdauer: ca. 2-3 Stunden
  • Zahmwasser
  • Gefahren: Fliegende Fische 🙂
  • Schwierigkeiten: Tidenströmung

Zu Besuch beim Lipno-Ablass auf der Moldau

Teuflisches Rennen im wilden Osten

Schon seit Jahren steht der Ablass des Lipno-Stausees auf meiner Paddel To-Do Liste. Jedes Jahr steigt Ende August zwischen dem Stausee und Vyšší Brod ein Wochenende lang eine wilde Paddelparty im kanubegeisterten Tschechien. Das sonst fast trockene Flussbett der Moldau verwandelt sich dan für zwei Tage in eine wuchtige und extrem verblockte Wildwasserstrecke im oberen Schwierigkeitsgrad. Etwas zu heftig für uns! Wir entscheiden uns stattdessen fürs Zusehen und genießen das unterhaltsame  Rahmenprogramm, das aus tschechischer Feierlaune mit viel Schnaps und Pivo besteht. Begleitet von einem Open Air Festival mit krachigen, mitreißenden Live-Bands. Wandern statt Paddeln, diese Wahl bereuen wir nicht. Denn das „Devils Extreme Race“ ist die Herausforderung für harte Knochen. Berüchtigte Passagen wie „Blutige Hand“ und“Teufelswand“ sprechen eine deutliche Sprache: Wer hier kentert, wird richtig durchgewaschen, blutet viel und steigt schlimmstenfalls unvollständig aus dem Fluss.

Lipno Ablass Stauseestrecke
Das rotbraune Wasser der Moldau hält einige deftige Überraschungen für Paddler bereit.

Wie viele Paddler & Boote passen eigentlich in den Zug?

Genauso spannend wie der Höllenritt auf Moldau ist die Rückfahrt zum Einstieg der rund 10 Kilometer langen Strecke. Das Zugticket ist in der Teilnahmegebühr enthalten. Trotzdem scheint die hiesige Bahn wohl eher mit verhaltener Teilnahme zu rechnen. Warum sonst fährt lediglich ein Kurzzug in einem Bahnhof ein, auf dessen Bahnsteig sich rund 300 Paddler nebst Kajaks drängen. Dramatische Szenen spielen sich ab: Renitente Rentner blockieren Türen und werden von wenig zimperlichen tschechischen Paddlern in die Flucht geschlagen. Der Wagen ist kurz vor Abfahrt bis zur Decke vollgepackt mit Booten. Trotzdem bleiben nicht wenige „Devils“ frustriert am Bahnsteig zurück.

Lipno Ablass Shuttel per Zug
Zu dieser Zeit dachte ich noch es gibt einen extra Waggon für die Kajaks. Dem war aber nicht so und es folgte absolutes Chaos!

Spritziger Paddelspaß nach Rosenberg (Rožmberk)

Nach zwei eher kurzen Nächten – Tschechen singen und lachen sehr gern und sehr laut – wollen wir auch aufs Wasser. Anfänglich überlegen wir noch, das Einstiegsstück der Lipno-Strecke unterhalb des Damms bis kurz vor Einstieg ins Teufelstal zu fahren. Wir verwerfen den Plan schliesslich, da die Strecke mit knapp 3 Kilometern einfach zu kurz ist und mit 30 Kubik doch ganz ordentlich rockt. Idealerweise schnuppert man in diese Strecke als Normalo-Paddler und Nicht-Devil erst ab ca. 17:00 Uhr rein, wenn weniger Wasser durchstobt.

Trinken – singen – kentern

Sonntag mittag setzen wir an einem Parkplatz in Vyšší Brod in die Moldau ein und lernen den Fluss von ihrer gemütlichen Seite kennen. Die dunkle Lady Moldau bewegt sich mit flotter Strömung durch abwechslungsreiche Wald- und Wiesenszenerie. Lediglich drei Wehre, alle mit Bootsgassen fahrbar, das erste besonders spritzig, stauen das rotbraun schimmernde Wasser. Der Abschnitt unterhalb der Stauseen ist ein sehr beliebtes Kanurevier. Das merken wir nicht nur an den vielen Booten, sondern auch an der Infrastruktur: Nach jeder dritten Biegung lockt ein Kiosk mit vorwiegend alkoholischen Getränken und leckeren Snacks. Selbst der Landgang ist kein Muss, um Alkohol zu tanken. Schwimmende Cocktailbars bieten bereits vor Vormittags entsprechenden „Treibstoff“ an. Wir fragen uns mehrmals, wie es die einheimischen Paddler in ihren eigentlich recht stabilen Gumotex Colorados schaffen, an den einfachsten Stellen zu kentern. Was soll’s, ein Riesenspaß im recht warmen Wasser ist es allemal.  Die 10 Kilometer lange Strecke vergeht wie im Flug und wir erreichen am Nachmittag unser Basislager von „Inge Kanu“ unterhalb der beeindruckenden Festung von Rožmberk.

Bootsgasse der Moldau
Nur wenige hundert Meter nach dem Start sorgt eine stattliche Bootsrutsche für kreischende Binsenbummler.
Schwimmende Bar Moldau
Angebot und Nachfrage klappt! Schwimmende Bar „Kapitana Morgan“

Rücktransport geklärt, dann die doppelte Etappe

Auch am nächsten Morgen erwartet uns strahlender Sonnenschein. Gestärkt mit kräftigem Kaffee aus der Campingklause versuche ich dem Platzherrn von „Inge Tours“ zu entlocken, wie denn der Rücktransport flussabwärts zu bewältigen sei. In gebrochenem Englisch versichert mir sein Assistent, dass ein Bus für kostengünstige 50 Kronen von Vltavan esk Krumlov nach Rožmberk zurückshuttelt. Keine Frage – wir nutzen das Angebot und lassen uns auf den mit 23 Kilometer doch recht langen Abschnitt der Moldau ein. Direkt nach Rožmberk läuft die Moldau in einer spitzen Rechtskurve um die stattliche Burg des Ortes herum und fließt dann mit flotter Strömung weiter Richtung České Budějovice. Wir passieren den ersten Campingplatz und treffen bereits am frühen Vormittag auf die altbekannten schwimmenden Captain Morgan Cocktailboote. Den ersten Stop legen wir jedoch erst einige Kilometer später beim Kamp Brann ein. Ein Platz, den wir uns merken werden. Denn neben einer reichhaltigen Speisekarte lädt die geringe Strömung des Flusses zum Baden ein. Im letzten Viertel der Strecke sorgen schließlich noch zwei Wehre mit spritzigen Floßgassen für Abwechslung auf der landschaftlich beeindruckenden Strecke der Moldau. Das erste Wehr befindet sich an einer imposanten und halb-verfallenen, doch scheinbar immer noch aktiven Papierfabrik. Hier führt auf der rechten Seite ein ungewöhnlich lange und schmale Bootsgasse hinunter. Wir sind überrascht, wie schnell wir durch den kleinen Betonkanal nach unten sausen. Immer wieder müssen wir uns in der etwa 20 Meter langen Gasse von der Mauer abstoßen um nicht quer zu schlagen. Keine zwei Kilometer weiter, wieder rechts, geht es durch die letzte Floßgasse. Hier endet unser reizvollen Tour. Kurz vor dem Ausstieg noch sorgt ein kleiner Kiosk mit dem sprechenden Namen „Aloa“ für Hawaii-Feeling: in Hängematten und auf Liegestühle warten die Gäste entspannt mit einem Cocktail in der Hand auf die ein oder andere Kenterung. Wir passieren das kurze Gefälle routiniert und legen rechtsseitig am Ausstieg beim Kamp Brann. Der Platz hat den Charme einer verlassenen Militärkaserne und wirkt verlassen. Nicht gerade der idyllischste Platz zum Übernachten! Was soll’s – die Moldau war in jedem Fall die Reise wert. Ein letztes Pivo im Liegestuhl der Aloah Bar, dann sitzen wir erschöpft und glücklich im Bus von Inge Tours und shutteln eine halbe Stunde flußaufwärts zu unserem heimeligen Basislager in Rožmberk.

Gumotex Colorado und Palava
Ein paar der Gummiwürste von Inge Tours. So ein Gumotex Colorado fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 22. – 24. August 2015
  • Gepaddelt mit: Schlauchkanadier (Gumotex Baraka)
  • Abschnitte: Vyšší Brod, unterhalb Campingplatz, km 318 (48.621158, 14.309151) – Rožmberk (Rosenberg) am Bootsverleih „Inge“, km 308,5 (48.653898, 14.363619) und Vyšší Brod, unterhalb Campingplatz, km 318 (48.621158, 14.309151) – Camping „Vltavan“, km 286,5 (48.794040, 14.303233)
  • Fahrtdauer: ca. 2 und 3-4 Stunden
  • Zahmwasser mit ordentlicher Strömung und mit spritzigen Gefällstufen (WWI-II)
  • Gefahren: –
  • Schwierigkeiten: max. WWI bzw WWII an den Rutschen

Latte Macchiato paddeln auf dem unverbauten Inn

Langsam neigt sich der Juli dem Ende zu und liefert uns nach der Hitzeperiode der vergangenen Tage wieder etwas angenehmere Temperaturen. Zur Erinnerung: der Juli 2015 gilt bis dato als heißester Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. So ist es denn auch kein Wunder, das nahezu alle Flüsse Niedrigwasser aufweisen – das heisst: fast alle! Der unverbaute und teilweise renaturierte Abschnitt des Inn zwischen Jettenbach und Mühldorf liegt gut 30 cm über dem Mindestpegel und wird kurzerhand zum Sonntagsziel gemacht.
Glücklicherweise sind unsere Paddelpartner Chris und Marion am Vorabend noch kurzfristig auf unser Vorhaben aufgesprungen, so das sich die leidige Frage nach der PKW-Rückholung in Luft auflöst. Alternativ sollte die Strecke auch mit dem Zug zu machen sein. Allerdings liegt nur die Einstiegsstelle in Jettenbach nah am „Bedarfsbahnhof“. Für die Rückfahrt aus Mühldorf muß wohl erst ein stattliches Stück auf eine Anhöhe zurückgelegt werden.

Kaffeebraun ist das neue Grün

Eigentlich kenne ich den Inn nur in zwei Ausprägungen: wild, blau und kalt in der Gegend um Landeck mit der imposanten Imster Schlucht. Und als aufgestautes trauriges Grenzgewässer bei Kufstein. Umso mehr überraschen mich die milchkaffeefarbenen Fluten am Einstieg bei der Brücke in Jettenbach. Das Restwasser aus dem in Sichtweite liegenden Kraftwerk unterliegt starken Schwankungen und sagt nicht viel über den eigentlich ein paar hundert Meter weiter unten beginnenden Hauptfluss aus. Wie wir später erfahren, leuchtet das Wasser hier gewöhnlicherweise eher grünlich. Jetzt sei es braun, weil in der Schweiz ein Sturm gewütet hätte. Angesichts der doch recht langen Durchlaufzeit des Wassers durch die vielen Staustufen habe ich jedoch so meine Zweifel an der Schweiz-Theorie.

Einsatzstelle bei Jettenbach
An der ausgeschilderten „Einsatzstelle“ bei Jettenbach.

Wie die Isar, nur chilliger

So wie sich der Inn durch die sehenswerte Landschaft windet, erinnert er doch stark an den unteren Abschnitt unserer geliebten Isar. Lediglich die Strömung lässt mich manchmal zweifeln, ob das träge Luftboot die richtige Wahl für die rund 23 Kilometer Paddelstrecke ist. Fairerweise will ich dabei nicht verschweigen das die alle paar hundert Meter auftauchenden Gefällbremsen trotzdem Wildwasserfeeling aufkeimen lassen – wie das wohl bei 50 cm mehr unter dem Kiel aussieht?
Auch die den Inn umgebende Landschaft überrascht. Bis auf einige Reiher alles ruhig und menschenleer. Eine mehrtägige Tour inklusive Biwakcamp sollte hier problemlos möglich sein. Eindrucksvoll hängt Treibgut in teilweise umgestürzten Baumriesen und lässt erahnen, welche Wassermassen sich hier nach regenreichen Tagen durchs Tal wälzen.

Grillage im Morast

Auf der Suche nach einer geeigneten Grillstelle fahren wir an wirklich einladenden goldgelben Sandufern vorbei. Allerdings möchten wir erst den Großteil der Strecke hinter uns bringen, bevor wir mit leckeren Gyrosspießen und Feta-Zuchiniröllchen, begleitet von spritziger Weinschorle, unserer Tour huldigen. Ziel ist deshalb die das letzte Drittel markierende „Brotzeitinsel“ im Inn. Dort angekommen sehen wir die altbekannte und lärmend feiernde Binsenbummlerfraktion, wie sie an schönen Tagen überall rund um München anzutreffen ist – also lieber noch ein Stück weiter fahren. In Sichtweite der Insel finden wir schließlich einen schattigen Platz. Anders als an der Isar bestehen die Ufer des Inns oft nicht aus Kies, sondern aus feinem Sand, der sich bei genügend Feuchtigkeit häufig in Matsch verwandelt. Was solls, das Grillgut schmeckt den ausgehungerten Paddlermägen wie immer ausgezeichnet.

Wie am Amazonas...
Wie am Amazonas…

Grand Canyon-Feeling

Kurz nachdem wir unsere Kanutour fortsetzen, taucht auf der rechten Seite die Hörndlberg-Prallwand auf. Die eindrucksvollen, goldgelben Sandsteinklippen erinnern mich sofort an unsere Frühjahrstour auf dem Ticino Inferiore. Der Sage nach soll sich hier einst eine Raubritterburg auf dem Hügel erhoben haben. Da die Raubritter unbescholtene Bürger ausgeraubt haben, wurden sie irgendwann – so wie sich das gehört! – verflucht. Daraufhin stürzte das Gemäuer mitsamt seinen unfreundlichen Insassen holterdipolter in den Inn. Und was auch mal wieder typisch ist: keine 100 Meter nach unserem Matsch-Grillplatz taucht die perfekte Rast-Kiesbank auf. Das nächste Mal grillen wir auf jeden Fall gegenüber der Prallwand.

Hörndlberg Sage Prallwand
Die legendäre Hörndlberg Prallwand

Zurück in der Zivilisation

Spritzige Gefällbremsen gestalten auch die letzten Zahmwasserkilometer interressant. Trotzdem sind wir nach mittlerweile vier Stunden auf dem Wasser wieder froh, als Sonnenanbeter langsam Zivilisation ankündigen. Mühldorf ist nicht mehr fern. Zum Ende der Strecke werden die Ufer dieses schönen Flusses wieder kiesiger. Wir erreichen unsere Ausstiegsstelle kurz vor der Brücke der ehemaligen B12.  beschließen Auf diese anstrengende aber lohnende Fahrt stoßen wir abends mit einer kühlen Maß auf dem Münchner Friedensengelfest an.

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 27. Juli 2015
  • Gepaddelt mit: Schlauchkanadier (Gumotex Baraka)
  • Abschnitt: Jettenbach, unter der Brücke, km 127,5 (48.173964, 12.383052) – kurz vor Mühldorf, km 104,2 (48.237377, 12.527549)
  • Fahrtdauer: 3-4 Stunden
  • Zahmwasser mit spritzigen Gefällstufen (WWI-II)
  • Gefahren: Spitze Steine
  • Schwierigkeiten: max. WWII-
  • Pegelstand: 139,00 cm, Kraiburg
  • Pegelinformationen: http://www.hnd.bayern.de/pegel/inn/kraiburg-18004007

Reither Ache mit unfreiweiligem Überschlag

Wie nahezu jedes Jahr nutzen wir auch 2015 wieder die Gelegenheit auf einen Kurzurlaub am Komfortcampingplatz Grubhof in Lofer. Da wir die hiesige Saalach schon zu allen möglichen Wasserständen befahren haben, suche ich die Strecke dorthin nach flußtechnischem Neuland ab. Glück gehabt! Die Regenfälle der letzten Tage erlauben eventuell eine kurze Tour auf der Reither bzw. Aschauer Ache. Bei bestem Frühsommerwetter und voller Vorfreude nehmen wir diesen zwar weitgehend kanalisierten, jedoch recht spritzigen Frühjahrsfluss in Augenschein. Braunes Wasser schäumt hier im relativ schmalen und von Granitblöcken eingefaßten Flussbett dem eindrucksvollen Massiv des Wilden Kaisers entgegen.

Reither Ache - Einstieg Klaus
Blick von unserer Einstiegsstelle in Klaus Flussaufwärts

Da die von uns gewählte Strecke nicht durchgehend von der gleichen Straße begleitet wird, beschleichen mich Zweifel, ob das Umsetzen per Autostop funktioniert. Trotzdem wollen wir es versuchen. Also laden wir Boot, Anzüge, Westen und Helme an der kleinen Brücke in der Nähe der Ortschaft Klaus aus.
Wie so oft sind es wieder eher jüngere PKW-Lenker, die mich vom Ausstiegsort aufsammeln und mit rasanter Fahrt, doch guter Kenntnis der am Weg installierten Blitzer, zum Einstieg shutteln. Das zuvor bereits mit Kompressorhilfe vorgepumpte Baraka bekommt das letzte Quäntchen Druck per Handpumpe und los gehts.

Rodeoeinlage und abtrünniges Paddel

Von Anfang an geht es auf der Reither Ache ohne viele Kehrwässer flott voran. Das kanalisierte und mit groben Steinen eingefaßte Flussbett bietet kaum Anlegestellen. Egal, durch die zahlreichen Büsche und Bäume am Ufer ist ohnehin kaum Platz vorhanden. Überhaupt: die Bäume! Immer wieder ragen große Äste und stattliche Stämme quer übers Flussbett. Nach der zweiten Umtrageaktion passiert es dann. Ich steige aus dem Boot und versuche, Pamela samt Boot ans Ufer zu ziehen. Fehlanzeige! Die Strömung zieht sie weg, ich kann das Boot nicht greifen. Sie treibt, ohne Halt zu finden, auf einen knapp über der Wasserobfläche liegenden Stamm zu. Hektisch rufe ich ihr noch zu, sie soll sich möglichst flach ins Boot drücken. Wenn sie den Schwerpunkt niedrig hält kann sie vielleicht kenterfrei am Stamm landen. Jetzt geht alles ganz schnell: Der flussabwärts treibende Bug des Bootes schiebt sich über das querliegende Holz und reckt sich immer weiter in die Höhe. Wie ein wildgewordener Stier bäumen sich die Luftschläuche auf und führen schließlich zu einem kompletten Überschlag des Bootes. Pamela gelangt glücklicherweise rasch aus dem Boot und taucht hinter dem Baumstamm wieder auf. Ich helfe ihr und unserem inwischen wieder friedlich treibenden Luftboot ans steinige Ufer. Aber halt – wo ist das zweite Paddel? Es muss während Pamelas unfreiwilligem Ausstieg abhanden gekommen sein und treibt jetzt wahrscheinlich die Ache hinunter. Nichts wie rein ins Boot und so schnell es mit einem Stechpaddel eben geht abwärts gepaddelt. Kurze Zeit später taucht der Ausreißer doch tatsächlich auf der rechten Seite des Flusses auf und wird von Pamela herausgefischt.

Reither Ache - querliegender Baum
Querliegende Bäume und hohe Fließgeschwindigkeit erfordern volle Aufmerksamkeit!

Flotter Ritt im Angesicht des Wilden Kaisers

Wieder einmal sind wir um einige Erfahrungen reicher und setzen unsere wildromantische Fahrt in Richtung Wilder Kaiser fort. Einzig ein unfahrbares Wehr bei Kilometer 26 unterbricht das Schwallvergnügen. Der DKV-Führer spricht hier zwar lediglich von einer Gefällbremse, es handelt sich jedoch um ein ca. zwei Meter hohes Steilwehr mit mächtigem Rücklauf. Es muss rechts umtragen werden. Die Stelle kann jedoch gefahrlos besichtigt werden, wenn man an der kurz davor über den Fluss gespannten Brücke linksufrig anlandet und zum Wehrhäuschen läuft.

Gut zwei Kilometer nach dem Wehr endet unsere sonnige Frühsommertour. Wir erreichen den abgestellten PKW an einer kleinen Brücke kurz vor dem Sägewerk in Aschau. Auch hier sind die Ufer wieder dicht bewachsen und wir müssen auf den letzten Metern noch einmal Gestrüpp, hohes Gras und elektrische Weidezäune überwinden. Anschließend werden wir jedoch vom unbeschreiblich schönen Panorama des Kaisers und einer im Baumschatten gekochten Tasse leckeren Kaffees belohnt.

Reither Ache - Blick zum Wilden Kaiser
Kaiserwetter und Kaiserblick trotz hoher Uferböschung!

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 28. Mai 2015
  • Gepaddelt mit: Schlauchkanadier (Gumotex Baraka)
  • Abschnitt: Klausen, km 20,0 (47.453502, 12.336878) – kurz vor Reisch, km 28,0 (47.515227, 12.358333)
  • Fahrtdauer: 1 Stunde
  • Schwallstrecke
  • Gefahren: Querliegende Bäume, schnelle Strömung
  • Schwierigkeiten: max. WWII+, Wehre, Bäume
  • Pegelinformationen: https://apps.tirol.gv.at/hydro/#/Wasserstand?station=202622

Wandern und Paddeln beim Packrafting auf der Wiesent

Fränkisches Kleinod mit spritzigen Einlagen

Meine heutige Tour führt mich auf die Wiesent. Ein Wiesenfluss, der sich durch die landschaftlich wunderschöne Fränkische Schweiz schlängelt. Ausschlaggebend für die Wahl meiner Tour ist eine Besonderheit des Flussverlaufs zwischen Doos und Muggendorf. Dort beschreibt das fränkische „Wildwässerchen“ eine Schleife, deren Enden man durch einen nur etwa drei Kilometer langen Fußmarsch verbinden kann. Gibt es einen besseren Ort, um die Idee des Packraftings zu verwirklichen? Hier werde ich mich bei schönstem Pfingstwetter zum ersten Mal an die Kombination Wandern und Paddeln herantasten.

Über den Dooser Berg

Am späten Vormittag setzt mich mein Schwieger-Shuttel in Muggendorf an der Wiesentbrücke ab. Ich schultere meinen kleinen Packsack und verlasse den beschaulichen Ort auf der asphaltierten Straße über den Dooser Berg in Richtung Einstiegsstelle.  Erst führt die Straße in Serpentinen über Muggendorf den Berg hinauf. Anschließend laufe ich noch einen knappen Kilometer an der Landstraße entlang, an relativ unspektakulären Äckern und Wiesen vorbei. Nach einem Kreisverkehr geht es noch einige hundert Meter steil nach unten zur Einstiegsstelle in Doos. Auf der gut halbstündigen und knapp vier Kilometer langen Wanderung fahren viele Autos mit Kanus an mir vorbei. Mit meinem regulären 22 Kilo Gumotex-Kanurucksack nebst meinen nicht gerade leichten Aluminium Paddel, hätte ich schon längst meinen Daumen zum Autostop rausgehalten. Doch heute geht es nicht darum, so schnell wie möglich zum Einstieg zu kommen, sondern die Idee des Packraft auszuleben – und das mit lediglich einem Bruchteil des oben genannten Gewichts!

Erstaunen über den Packraft-Exoten

An der Einstiegsstelle begrüßen mich zwei Kanuten, die gerade mit dem Auto an mir vorbei gefahren sein müssen. Sie sind sichtlich verblüfft: „Etzadla bist du auch scho da“. Ich nutze den Überraschungsmoment aus und antworte, dass ich schließlich noch einen weiter Paddelweg bis nach Muggendorf vor mir habe und ich deswegen mit „schlankem“ Fuß gegangen bin. Als sie sehen, dass ich aus meinem winzigen Rucksack eine vollständige Paddelausrüstung herauszaubere, werden ihre Gesichter noch länger. Wenige Minuten später ist die Metamorphose vom Wandersmann zum Paddler abgeschlossen und ich setze in die Wiesent ein.

Wiesent Einstiegsstelle in Doos
Einstiegsstelle an der ST2191 kurz hinter der Mündung der Aufseß. Sämtliche Einstiegs- und Umtragestellen sind komfortabel für Kanuten ausgebaut.

Gemütliche Tour mit kleinen Überraschungen

Die Wiesent wird im DKV-Führer mit einem Schwierigkeitsgrad von WW1 beschrieben. Trotzdem ist der Begriff „Fränkisches Wildwasser“ schon ein bisschen sehr ambitioniert. Die wildromantische Strecke von Doos nach Muggendorf besteht zum größten Teil aus gemächlichen, fast schon zahmwasserartigen Abschnitten. Hin und wieder tauchen jedoch immer wieder kurze Schwallstrecken auf und hindern den Paddler daran, zu sehr ins gemütliche Dösen abzugleiten. Diese Stellen sind jedoch immer leicht zu fahren und nehmen dem Paddler kleine Unachtsamkeiten nicht übel. Ich muss mir also heute auch ohne Spritzdecke auf dem Packraft keine Sorgen machen, dass Boot zu oft leeren zu müssen.

Umtragen? No Problem!

Bereits nach wenigen Minuten erreiche ich die erste Wehranlage. Wie alle anderen Umtragestellen der Wiesent ist auch diese Stelle optimal für den Bootstourismus ausgebaut. Zusätzlich spielt mir das geringe Gewicht meines Equipments in die Hände. So schnell habe ich selten Wehre umtragen. Auf den nächsten Kilometern höre ich immer wieder Stimmen. Zuerst halte ich es für Kanuten, die mir lahmen Packrafter auf den Fersen sind, um mich zu überholen. Doch weit gefehlt. Es sind Kletterer, die in den Felswänden links und rechts des Flusses hängen.

Die große Überraschung

Die zügige Strömung kurz nach der Wehranlage war nur eine kurze Freude. Die nächsten Kilometer bietet die Wiesent ruhiges Zahmwasser. Mich beschleichen die ersten Zweifel: 14 Kilometer Paddelstrecke im stehenden Gewässer mit meiner Nussschale, in vier Stunden – ist das wirklich machbar? Mit meinem Joker, einem neuen und schön leichten Anfibio Packrafting Paddel, rechne ich in diesem Moment noch nicht. Verbunden mit hoher Schlagfrequenz bei gleichzeitig geringem Krafteinsatz geht es mit den neuen Blättern zügig über das grüne Wasser der Wiesent. So erreiche ich schon nach zwei Stunden das Betonwehr an der Sachsenmühle. Normalerweise sieht man hier oft Kanuten schräg über die Wehrkante rutschend geschickt in das niedrige Flußbett eintauchen. Heute jedoch reicht der Wasserstand für eine Befahrung des Wehrs nicht aus.

Wiesent - Schrägwehr an der Sachsenmühle
Das Schrägwehr an der Sachsenmühle wird entweder über das rechte Ufer umtragen oder mit Schwung schräg über die Wehrkante abgefahren.

Obatzter und Kellerbier

Viele Kanuten nutzen diese Umtragestelle auch, um auf der einladenden Wiese oder den schattigen Bierbänken zu rasten. An einem Kiosk werden regionale Brotzeit und leckere lokalen Bierspezialitäten angeboten. Imbissgelegenheiten wie diese gibt es im Verlauf der Wiesent immer wieder. Hier wird deutlich, wie gut sich die Region auf den Paddeltourismus eingestellt hat.
Ich setze meine Fahrt fort und passiere ein kleines Naturwehr. Die Wiesent fließt hier in einer leichten S-Kurve mit stärkerem Gefälle und etwas eigentümlichen Strömungsverhältnissen. Von meiner letzten Tour habe ich diese Stelle etwas schwieriger in Erinnerung – beim heutigen Niedrigwasser ist es lediglich eine sportliche Schwallstrecke. Trotzdem sorgen die paar Meter bei vielen Bootstouristen und Leihbootfahrern für Spritzwasserquietscher.

Naturwehr der Wiesent
Das „fränkische Wildwasser“ in Aktion!

Nach dem Naturwehr fließt die Wiesent ruhig und gemächlich dem Ausgangspunkt meiner Packraftingtour entgegen. Nach gut drei Stunden Paddelzeit lege ich rechtsufrig vor der Autobrücke in Muggendorf an. Der eigentliche Ausstieg befindet sich zwar ca. hundert Meter flussabwärts auf der linken Seiten, allerdings lockt hier ein kleiner Biergarten direkt am Fluss mit regionalen Schmankerln. Während das Packraft auf der Wiese trocknet, gönne ich mir ein leckeres Schnitzel und genieße dazu ein Kellerbier. Meine Kräfte kehren langsam wieder zurück und ich bin fit genug, den Abend mit einem weiteren fränkischen Highlight zu beenden. Es geht auf die Erlangener Bergkirchweih. Für Unwissende: der „Berch“ ist ein zünftiges Volksfest, das mich seit meiner Studienzeit regelmäßig wieder in die Region bringt – wie eben auch die Wiesent.

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 23. Mai 2015
  • Gepaddelt mit: Packraft (MRS Microraft)
  • Abschnitt: km 40,1 (49.851259, 11.255623) – 26,0 (49.802202, 11.259335)
  • Fahrtdauer: 3 Stunden
  • Gemütlicher Wiesenfluss mit lebhaften Abschnitten
  • Gefahren: keine
  • Schwierigkeiten: max. WWI, Wehre, niedrige Brücken
  • Mit kurzer Wanderung zur Rundtour kombinierbar
  • Pegelinformationen: Muggendorf http://www.hnd.bayern.de/pegel/wasserstand/pegel_wasserstand.php?pgnr=24242000
Sandstrand Ticino Inferiore

La dolce Vita in der Lombardei mit dem Ticino Inferiore

Glaube Ich den Informationen im Netz sowie dem Kanuführer, bietet der Abschnitt von Motta Visconti bis Pavia auf dem Ticino ruhiges Flussvergnügen in naturbelassener Landschaft. Ich will es genau wissen, also mit Sack und Pack auf in die Lombardei. Die knapp sechs Stunden lange Fahrt versüße ich mir mit einem Abstecher ins Tessin. Über die wahrlich spritzig-abenteuerliche Fahrt auf der Maggia werde ich bei Gelegenheit noch berichten.
Am Sonntagabend den 17. Mai treffen Pam und ich nach aufregender Fahrt auf dem ruhig gelegenen Campingplatz Ticino ein. Endlich! Denn ab dem Städchen Como braucht der Fahrer starke Nerven. Obwohl wir uns ja nur in Norditalien befinden, ist es nicht gerade leicht, sich an die schon recht chaotischen Verkehrsmanieren der Italiener zu gewöhnen.

Entspannung pur im Camping Ticino

Der Zeltplatz Camping Ticino liegt im Westen von Pavia, nur ca. 200 Meter vom Ticino entfernt. Er ist zwar nur mit 2 Sternen ausgewiesen, bietet trotzdem alles, was wir von einem Kurztrip nach Italien erwarten: Ruhe, schattige und geräumige Stellplätze, authentisches Flair und Nachbarn aus Österreich, Australien, Augsburg. Natürlich die handvoll Holländer, die man immer und überall trifft (außer auf dem Fluss). Sogar ein Pärchen aus Manhatten treffe ich beim abwaschen. Top international also und mit braven Wachhund, der vor allem den Grill nicht aus den Augen lässt. Einzig die blutrünstigen Stechmücken trüben das Bild. Nicht auszudenken, wie viele der Quälgeister uns aussaugen würden, läge der Platz direkt am Fluss.

Cappuchino e Cornetto

Am nächsten Morgen geht es zeitig raus: laut Recherche mit unseren mehr als bescheidenen Italienischkenntnissen müssen wir einmal am Busbahnhof in Pavia umsteigen, um vom Campingplatz nach Motta Visconti zu gelangen. Danach erwartet uns ein zwei Kilometer langer Fußmarsch zur Einstiegsstelle. Hilft ja nix!  Zuerst bringt uns der Stadtbus kurz nach 8 Uhr zum Busbahnhof. Die 20 Minuten Wartezeit dort nutzen wir bestmöglich und kaufen Hamburger und leckere hauchdünne Schweinesteaks für den Mittagsgrill am Fluß. Pünktlich um 8:55 Uhr shuttelt uns Bus 92 weiter nach Motta Visconti. Dort angekommen genehmigt sich Pam erst mal das legendäre italienische Frühstück Cappuchino e Cornetto. Mich läßt die Aussicht auf morgentliches Gebäck zum zweiten Kaffee jedoch eher kalt. Stattdessen genehmige mir ein leckeres Gelatto, natürlich hausgemacht! Während wir uns stärken, genießen wir die typisch italienische Marktplatz-Atmosphäre. Unterstützt durch den Smartphone Navi finden wir die Straße ins Flußtal. 20 Minuten später sind wir am Ziel. In der Nähe eines Park-Informationszentrums liegt einer der vielen ruhigen Nebenarme des Ticinos, an dem bereits zahlreiche Boote lagern. Hier machen wir uns mit einer dicken Schicht Sonnencreme und Deet Moskitoschutz startklar.

Ticino Inferiore Einstiegsstelle
Einstiegsstelle an der Bootsanlegestelle beim Park-Informationszentrum

Gewaltige Wassermassen

Die ersten 250 Meter geht es im Zahmwasser durch den Auwald dem Hauptstrom entgegen. Lange bevor wir den eigentlichen Fluss erreichen wird klar, dass wir es gleich mit einem mächtigen Strom zu tun bekommen. Obwohl gerade erst in Sichtweite gekommen, beeindrucken uns die gewaltigen Wassermassen, die zügig am Horizont entlang rauschen. Nach einigen Minuten scheren wir in den Hauptarm ein und sind schlichtweg überwältigt. Glucksend und strudelnd schiebt sich der Ticino Inferiore auf einer Breite von 200 Metern dem Po entgegen. Kein Wunder: es hat in den letzten Tagen viel geregnet, der Fluss hat ordentlich Hochwasser, die Uferflächen sind beidseitig weit überflutet.

Kormoran & Co

Während wir den Ticino relativ ufernah hinab paddeln – die schiere Breite flößt einem doch ordentlich Respekt ein – wechseln sich zugewachsene Waldflächen mit vereinzelten Sand und Kiesstellen ab. In den Bäumen zwitschern alle möglichen Vogelarten, Kormorane und Fischreiher en masse begleiten unsere Fahrt. Immer wieder wollen Seitenarme erforscht werden. Dabei bewegen wir uns manchmal so weit vom Hauptarm weg, dass wir das Gefühl haben, in einem anderen Fluss eingefahren zu sein. Glücklicherweise gelangen wir immer wieder zurück zum Hauptstrom. Nach flotter Fahrt auf dem mit 7-8 km/h fließenden Wasser taucht nach ca. einer Stunde Fahrt die Pontonbrücke bei Berrugado auf. Durch den hohen Pegelstand des Ticino sind die Passagen zwischen den Pontons sehr niedrig, gerade mal geschätzte 3 Meter breit und nicht mehr als 80 Zentimeter hoch. Wir wählen eine vermeintlich einfache Durchfahrt in der Mitte der Brücke, müssen uns jedoch vor herabhängenden Kabeln in Acht nehmen. Aber, huch! Was ist das: die Strömung zieht unser Kanu gnadenlos in die Mitte des Flusses und drückt uns gegen den seitlichen Ponton der Durchfahrt. Mit Paddeln allein ist da nichts zu machen, also stoßen wir uns beherzt direkt mit dem Paddel an der Wand ab. Wie so oft, weiß man hinterher immer mehr. Kurz nach der Brücke erkennen wir den besten Weg durch die Brücke. Ganz rechts, bei der Brückenauffahrt, ist die Durchfahrt deutlich höher und breiter als an der von uns gewählten Stelle.

Einfach treiben lassen

Erleichtert von der geglückten Durchfahrt lassen wir uns die nächsten zwei bis drei Kilometer vom schnell fließenden Wasser treiben. Nur der Lärm der querenden Autobahnbrücke stört schon von weitem. Als nach einiger Zeit der Verkehrslärm wieder verstummt, weitet sich das Flusstal. Links und rechts tauchen Kiesbänke auf, die uns an die Isar erinnern. Nach ein paar weiteren Biegungen des Ticino taucht auf der linken Seite ein beeindruckendes Hochufer mit steilen Sandsteinwänden auf. Der perfekte Ort, unseren Faltgrill anzuheizen. Die Burger und die kurzerhand von uns „Sekundensteaks“ getauften Fleischlappen schmecken grandios. Wie immer bemühen wir uns natürlich, unseren Einfluß auf diese traumhafte Umgebung gering zu halten und hinterlassen so wenig Spuren wie möglich.

Ticino dahin treiben
Auf anderen Gewässern sieht man mich eher selten so entspannt!

Sprung ins kühle Nass

Gut gestärkt geht es weiter. Auch auf den letzten Kilometern vor Pavia übersteigt der Schwierigkeitsgrad des Ticino WW I+ nicht. Spritzige Schwälle stehen bei der Fahrt auf diesem Fluss nicht wirklich im Vordergrund. Dafür aber die immer wieder auftauchenden Sandstrände. Sonnenbaden oder einfach nur die Füßen in den hellen Sand bohren und die Seele baumeln lassen. Der Ticino lässt einem schnell zum Romantiker werden. Obwohl das Wasser doch noch sehr frisch ist, tun wir es einer handvoll wagemutiger Italiener nach und springen im letzten Drittel der Fahrt ebenfalls in die Fluten. Gegen Ende der Fahrt tauchen kleinen improvisierten Bars direkt am Ufer des Ticinos auf. Perfekt. Ein kurzer Koffeinstop mit zwei Cafe Lungo läutet das Ende der sonnig-pfingstlichen Kanuwanderung ein. Züruck auf dem Fluss tauchen kurze Zeit später die ersten Häuser von Pavia auf. Jetzt wissen wir, das der Ausstieg naht. Kurz vor der Brücke der Ostumgehung legen wir linksufrig in der Nähe eines Hausbootes an. Wir packen unser Boot zusammen beschließen den Abend dieses traumhaften Tages in der am Ufer des Ticinos gelegenen Pizzeria Sul Fiume.

Sandstrand Ticino Inferiore
Immer wieder trifft man auf schöne Rastplätze entlang des Flusses

 

…und noch einige Impressionen unserer Paddeltour auf dem Ticino

Kurz & Kompakt:

  • Datum: 18. Mai 2015
  • Gepaddelt mit: Schlauchkanadier
  • Abschnitt: km 74 (45.280170, 8.973153) – 96 (45.193206, 9.120140)
  • Fahrtdauer: 3-4 Stunden
  • Schnellfließender Strom in breitem Kiesbett
  • Gefahren: Verwirbelungen, Treibholz, eine niedrige Brücke
  • Schwierigkeiten: max. WWII
  • Umsetzen per Bus möglich
  • Pegelinformationen: nicht bekannt